Dienstag, 12. Juli 2022

12.7.2022

Perce: Ein Regentag war angekündigt, aber wir haben uns trocken von Gaspe nach Perce gekämpft, 850 hm gegen Wind von 30 kmh, wobei immer wieder Böen von 46 kmh uns von der Straße pusten wollten. 
Direkt vor der Küste liegt der Rocher Perce 
und daneben direkt am Strand ein kleiner Campingplatz
hinter dem Felsen die Ile Bonaventure, ein Vogelschutzgebiet mit 250000 Vögeln
auf und ab in diesem Niveau war heute keine Seltenheit, dazu die Windböen - da mussten wir trotz Rohloff-Schaltung hier und da aus dem Sattel. Schieben war kaum einfacher, aber weniger gefährlich.
manchmal gab's auch flache Abschnitte
Die Kathedrale von Gaspe ist komplett aus Holz, aber leider geschlossen 

Montag, 11. Juli 2022

11.7.2022


Riviere -au-Renard, die Hauptstadt des Hochseefischens
Den ganzen Tag sollte es regnen, aber hier beim Mittagspicknick schien noch die Sonne.
so sieht mein Reifen nach 4350 km aus - Schwalbe Marathon war schon mal besser

Sonntag, 10. Juli 2022

10.7.2022

Ein paar Blog-Anmerkungen:
- Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich manches doppelt schreibe, zu lang, zu kurz, uninteressant oder gar falsch. Ich habe dummerweise nur mein Smartphone - der Laptopstecker passt nicht in den Adapter. Es ist also mühsam, zurückzublättern...
- Das Mini-Display ist u.a. ein Grund, dass die Qualität der Bilder sicher oft nicht optimal ist
- Wir haben nicht immer WiFi
- Ich schreibe in erster Linie für unsere Kinder und für uns selbst zur Erinnerung. Daher ist sicher Vieles sehr subjektiv. Wer mehr objektive Informationen erwartet, muss woanders suchen.
- Es gibt im Blog eine Kommentarfunktion, die sehr wenig genutzt wird. Über jede Anmerkung, Reaktion, Hinweis, Frage, Korrektur.... würden wir uns freuen.

10.7.2022

Quebec: Seit zwei Wochen sind wir in der größten Provinz Kanadas, fast fünfmal so groß wie Deutschland, 8,5 Millionen Einwohner, alle sprechen französisch - seit 1974 Amtssprache, auf der Gaspesie Alt-Französisch, und die Bereitschaft Englisch zu sprechen ist gering. Jedes Nummernschild zeigt den Grund:
Je me souviens, ich erinnere mich, bezieht sich auf die französischen Wurzeln und zeigt die Ressentiments gegen die englische Vorherrschaft. Seit den 1960ern vollzog sich ein radikaler Wechsel zur eigenständigen Kultur. Die "revolution tranquille" scheint gelungen: uns fällt auf, dass fast 100% der Autos hier aus Quebec sind.
Kaum geht die Straße ein wenig ins Landesinnere, wird es sehr steil und immer wieder tauchen Seen auf
Unter den dichten Wäldern scheinen die Appalachen aus Schiefer zu bestehen.

Samstag, 9. Juli 2022

9.7.2022

La Gaspesie - traumhaft schön. Wir sind seit zwei Tagen auf der Küstenstraße rund um die Gaspe-Halbinsel unterwegs und haben heute bei bestem Wetter den nördlichsten Punkt unserer Tour erreicht. Sainte Madeleine liegt auf 48 Grad Nord, genau wie Freiburg, fühlt sich aber anders an. Der freundliche Camping-Mann kam zu uns und fragte, ob wir Decken haben wollen. Es soll nachts 5 Grad werden - am 9. Juli! Zum Glück haben wir Daunenschlafsäcke. Die Halbinsel bildet das Nordende der Appalachen, die sich über 2400 km von Alabama nach Nordosten hierher ziehen. Wir haben sie heute wie gute Bekannte begrüßt, da wir vor fünf Wochen vor Pittsburgh ihr Auf und Ab gekreuzt haben. Die Straße verläuft meist nah am Meer, bietet aber viele Höhenmeter - kein Problem heute bei heftigem Rückensturm. So flogen wir zwischen tiefblauem Meer und dichtbewaldetem Mittelgebirge ohne große Anstrengung 100 km durch ein wunderschönes Stück unserer Erde.
Hier stürzen die Appalachen ins Meer
mit hundert Wasserfällen und Flüssen
und sehr steilen Schieferabbrüchen
und wieder ein sehr schöner Camping am Weg

Freitag, 8. Juli 2022

7.7.2022

Entschleunigung - die Fähre von Baie-Comeau nach Matane fährt abends um 6 und ist nur 50 km entfernt. Da ein paar Dinge fehlen, planen wir Shopping ein und steuern Walmart an. Nach längerem Suchen dort haben wir den passenden Fahrradschlauch, Hutgummi für die Zeltstange und Nachschub an Insektenspray, alles unverzichtbar. Ersatz für unsere zerbrochene Fahnenstange gab's leider nicht. Früh sind wir am Fährhafen und verbringen den Nachmittag mit Haarwäsche - der Kopf passt so gerade ins Becken und einen Händetrockner gibt's auch -, mit Zeltreparatur und mit Lesen. 
Große Inspektion nach 4000 km
Fluss ohne Wasser, das steckt scheinbar im Stausee...
...und taucht hier dosiert auf
Da kommt sie, die schönste aller Fähren, mit riesigen Glasflächen...
...und mit interessanten Gesprächen und Abendessen mit diesen netten Tourenradlern vergehen gut zwei Stunden Überfahrt über 62 km St. Lorenz Strom wie im Flug 
Nach wenigen Kilometern wird's dunkel und wir finden einen Rastplatz für die Nacht 

Donnerstag, 7. Juli 2022

6.7.2022

Pessamit - ein besonderes Dorf. Wegen der unsicheren Fährverbindung sind wir weitergezogen in Richtung der nächsten und letzten St. Lorenz-Fähre. Die Gegend wird immer menschenleeren, das erste Dorf taucht nach 50 km auf. Eine neue Straße durch ein großes frisch gerodetes Gebiet weist auf Wachstum hin. Es gibt viele Straßen mit kleinen Wohnhäusern, einen Laden, eine Bar, eine Schule, eine große Kirche, daneben Klinik und Sozialstation und ein auffallend größeres Haus - das Pfarrhaus? Die Straßennamen: Takutaut, Shuli, Ashini, Laletaut, Pulis...und die Gesichter der Menschen zeigen uns, dass wir in einer Innu-Siedlung sind. Besonders deutlich wird das in der Kirche, wo katholische und Innu-Tradition verwoben sind.
Wie mögen sich Menschen fühlen, die als Kinder von ihren Eltern getrennt wurden, um das "richtige" Leben, die "richtige" Sprache, die "richtige" Religion zu lernen. Die einerseits dazugehören wollen, andererseits aber immer die "Anderen" sind, immer zwischen zwei Kulturen und Traditionen? Wollen sie lieber in solchen Siedlungen unter sich leben? Oder drängen die "kanadischen" Dörfer und Städte sie hier her? Nomadenleben oder Konsum, Stamm oder Internet... wie schwer muss es da  sein, die eigene Identität zu finden?