Mittwoch, 11. März 2020

Mittwoch, 11.3.
Nach zwei Nächten im Wald weiß man eine kalte Dusche besonders zu schätzen. Und da macht es gar nichts, dass die Kleinstadt gerade keinen Strom hat und wir „afrikanisch“ duschen, also mit Eimer und Schöpfgefäß. Zum Glück hat die Lodge einen Brunnen. Nach zwei Lodge-Besichtigungen haben wir gezielt nach der besten Lodge der Stadt gefragt. Zweimal gab es nur ein Bett in einem dunklen Zimmer. Wasser? Zur Zeit nicht. Licht? Jetzt nicht, vielleicht später.... Eine Lodge hatte sogar einen Kühlschrank neben dem Eingang, aber darin wurde nur der Schlüsselkorb aufbewahrt - Malawi eben. Immerhin gab's mit etwas Suchen die Möglichkeit, unsere Vorräte aufzufüllen: 5 l Wasser, Brot, Erdnüsse, Tomaten, Kekse und für Helmut Bier. Perfekt!
Network-Graben, ca. 200km lang, 1m tief
von Hand gegraben, alle 5m ein Arbeiter
das ist mal eine Federgabel, an einer Starrgabel!


Dienstag 10.3.
Ähnlich wie gestern: viel Grün, besonders Eukalyptus- und Fichtenwälder, viele Berge, sonst nichts. Genau ein Dorf, das etwas mehr ist als ein paar einsame Hütten, so dass wir was zu essen und einen kleinen Shop finden. So ausgerüstet können wir gut nochmal im Wald campen.
Die Waldarbeiter, die Helmuts Reifenreparatur verfolgt haben, hatten uns erzählt, dass wir bald an den "Elephant-Rocks" vorbei kommen. Wir konnten uns lange nichts darunter vorstellen, bis diese Felsen vor uns auftauchten, immer wieder und immer wieder schön.
Was ist das???????? Helmuts Ellenbogen auf seinem Oberschenkel

Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Vollmond, Sternenhimmel - die schönste Natur erlebt man nur beim Campen

Montag, 9.3.
Offensichtlich sind wir gerade im gebirgigsten und am wenigsten besiedelten Teil Malawis unterwegs. Da bietet sich nach gut 1000 hm ein schönes Plätzchen am Wegesrand zum Zelten an: ruhig, schattig, wie für uns gemacht, einfach gut.
Tausendfüßler XXL
in der Stadt gibts richtige Fahrradtaxis, die auch gerne genutzt werden
Nun ist der Mantel endgültig hin, der erste Platten
Schwalbe, echter Edelschrott
weit ab im Nirgendwo: vorne trocknet ein Ziegenfell, hinten eine von mehreren solcher Hütten aus Holz, Folie und Laub - sah so aus, als ob man darin wohnt
solche Wohnhäuser tauchen immer mal wieder am Hang auf, umgeben von Feldern - hier kann man nur als Selbstversorger leben
für's Wildcampen zapft Helmut einen Kanister sehr gutes Wasser...
...und findet wenig später dann dieses schöne Plätzchen


Sonntag, 8.3.
Bei der Schottischen Missionsstation in Ekwendeni: Nach mühsamer, recht sonniger Tour über grüne Hügel nach Süden mit nur wenigen kleinen Dörfern kommt endlich die Kleinstadt Ekwendeni mit einer wunderschönen Backsteinkirche mit bunten (!) Glasfenstern. 1889 wurde die Mission hier gegründet, wodurch ein Krieg zwischen Tonga und Ngoni verhindert werden konnte. Jetzt gibt es hier eine sehr große Anlage mit Schulen, Behinderteneinrichtung, HIV/Aids-Station.... und Guesthouse.





Handwerksbetrieb in der Stadt
 
Samstag, 7.3.
Herzliche Aufnahme im Mädcheninternat: Vom See ging's in 10 heftigen Kilometern wieder rauf ins Gebirge und dann zwischen zwei Gebirgszügen immer leicht aufwärts am Fluss Rukuru entlang bis Phwedzi. Am Ortseingang riet uns ein Polizist vom hiesigen Guesthouse ab und empfahl uns, bei der Schule zu fragen. Der Headmaster war sofort bereit, uns aufzunehmen und bot uns nach kurzem Überlegen das ehemalige Krankenzimmer an, da wir dort auch Dusche und Toilette haben. Inzwischen hatte auch schon eine Lehrerin (?), die gerade aus der Schule kam und mich mit den Rädern sah, spontan angeboten, in ihrem Haus zu übernachten. So viel Freundlichkeit! Während Helmut den Headmaster suchte, war ich schnell von Schülerinnen umringt, die eine Menge Fragen stellten, meine Fragen in sehr gutem Englisch beantworteten, mir sofort Wasser brachten und dann mit viel Freude Fotos von meinen Kindern und Enkeln anschauten. Diese 14- bis 18jährigen Schülerinnen sind offensichtlich gut erzogen, gut gebildet, selbstbewusst und stolz auf ihr Land. Ich bin beeindruckt!
Ein wenig von der Armut des Landes wird deutlich am Zustand des Raumes und daran, dass es leider gerade kein Wasser gibt (zum Glück erst nach dem Duschen). Aber was macht das schon, wenn man den Eindruck hat, dass sich die Menschen hier wohlfühlen.
Abschied vom See
Oben in den Bergen treffen wir eine sehr interessierte und informierte Lehrerin, die sich mit uns über Tierhaltung in Deutschland und in Malawi unterhält - hier geht's den Tieren richtig gut

unser Gastraum im Internat...
...ideal für uns

Trotz der Zusage, dass das Trinkwasser ist, das hier alle hier trinken, und trotz des vielen Plastikmülls haben wir einige der kleinen Flaschen gekauft

Freitag, 6. März 2020

Freitag 6.3.
Immer am See entlang – es rauscht wie am Meer, während ich schreibe, vor mir Sandstrand, und gegenüber in der Ferne grüßen die Berge aus Tansania. Der Malawisee, so sein Name hier, oder auch Nyassasee, der Name in Tansania, ist mit 575 x 85 km der 3.größte See Afrikas, er ist 700 m tief und von 1000 Fischarten belebt. Nicht nur der Fischreichtum, auch Öl- und Gasvorkommen machen den See so wertvoll, dass über die Grenze im See schon lange gestritten wird. Gehört Tansania nur der Küstenstreifen oder der halbe See? Diese Frage ging 2017 nach Den Haag.
Gelandet sind wir heute im Water and Sun Resort, eine wunderschöne NGO-Anlage, wo scheinbar mit der Lodge verschiedene Bildungs- und Sozialprojekte finanziert werden. 
überall am Straßenrand wird getrocknet: Bohnen, Mais oder wie hier Kassava = Maniok
unterwegs - wer findet die meisten Vögel?
Fischreichtum scheint zu stimmen
nur die Zufahrt war recht mühsam
so ungewohnt vornehm wohnen wir heute
in der wunderschönen geschmackvollen Anlage

 
und genießen den Blick auf den See
Donnerstag 5.3.
Von Tansania nach Malawi: Zum Abschied zeigt sich Tansania nochmal von seiner schönsten Seite – grüne Berge, gute Straße, kaum Autos. Wir fahren von Kiwira bis zur Grenzstadt Kasumulu, erst hoch auf 1500 m, dann abwärts auf 500 m. Zuerst wächst noch Mais, dann stundenlang fast nur Bananen, dann machen sich Teeplantagen breit und später tauchen Avocadobäume, Papayas und Orangen auf. Jetzt in der Regenzeit wird besonders deutlich, wie grün und fruchtbar das Land ist, das wir nach 21 Tagen, 1470 km und mühsamen 10500 hm verlassen. An der Grenze gibt’s keine Probleme. Für 50 US$ bekommen wir ein Visum für 30 Tage und reisen in ein Land, von dem wir nur wissen, dass es zu den ärmsten zählt und besonders herzliche Menschen hat. Man nennt Malawi auch das Herz Afrikas. Die ersten Eindrücke sind: die Dörfer sind noch einfacher, die Straße ist sehr gut, glatt mit Seitenstreifen und fast ohne Autos, es hat so viel geregnet, dass große Flächen unter Wasser stehen, und es gibt unendlich viele Kinder entlang der Straße, und die nerven. Das gewohnte „Mzungu! Wazungu!“-Geschrei scheint noch lauter, wird aber so gut wie immer mit „give me money“ oder „money, money!“ ergänzt, sehr hartnäckig, manchmal aggressiv. Da in den kleinen Dörfern sicher kein Tourist aussteigt, scheint es unwahrscheinlich, dass sie mit diesem Geschrei je Erfolg hatten. Jedenfalls freuen wir uns, dass die Kinder morgen in der Schule sind – schade! In der ersten Stadt, Karonga, 47 km hinter der Grenze, finden wir alles, was wir brauchen: Bank, Guesthouse, Supermarkt.

Sammelstelle zum Abtransport zwischen den Plantagen
riesige Tee-Felder
das viele Wasser von den Bergen schafft den Weg zum See nicht in geordneten Bahnen
erste Unterkunft in Malawi, ähnlich einfach wie oft in Tansania