Samstag, 28. März 2020

Samstag, 28.3.
Heimreise – aber das ist eigentlich das falsche Wort. Heim, das ist irgendwie etwas sehr Vertrautes, aber wir wussten ja und spüren jetzt auch, dass sich Deutschland zur Zeit eher fremd anfühlt. Zum Heimkommen gehört auf jeden Fall, Kinder und Enkel zu besuchen – geht leider nicht. Also schreibe ich besser Rückreise – und die verlief viel problemloser, als wir befürchtet hatten. An das frühe Aufstehen um 4.30 waren wir gewöhnt, die Stadt war noch fast autofrei, den Weg zum Flughafen kannten wir schon und Räder zerlegen ist für Helmut inzwischen Routine. Zum Glück haben wir für's Verpacken Platz neben einem Check-in-Schalter gefunden. So konnten wir zwischendurch wiegen und Sachen so lange verschieben, bis die Räder in den Kartons knapp unter den erlaubten 23 kg lagen. Den Rest, d.h. 4 Radtaschen, 2 Lenkertaschen, Zelt, Packsack, Thermoskanne und Werkzeugtasche verteilten wir auf zwei Packsäcke, je ca 15 kg, und zwei Radtschen blieben als Handgepäck. Ethiopian Airlines war unkompliziert und hat die Radkartons als zweites Gepäckstück akzeptiert. Und nach dem Check-in waren wir sehr erleichtert.
Und dann gab's im Flugzeug noch ein bemerkenswertes Erlebnis. Neben uns sitzt ein interessanter junger Mann aus Deutschland, der in Sambia ein Freiwilligenjahr mit Weltwärts gemacht hat und jetzt wie so viele abbrechen musste. Wir erzählen von unserer Tour und vom Besuch bei meiner Tante in Njombe, die auch Freiwillige betreut. Darauf die Frage „Deine Tante, ist das die Bibi?“ (Bibi=Kisuaheli=Großmutter) Krass, ein Deutscher in Sambia, 1500 km von Njombe entfernt, und der „kennt“ meine 93jährige Tante, wenn er sie auch nie gesehen hat.
Beim Zwischenaufenthalt in Addis Abeba haben wir uns sehr gewundert. In Sambia wurden überall Hände desinfiziert, wirklich bei jedem Eingang, und auch häufiger die Körpertemperatur gescannt. Nichts davon in Äthiopien. Hier liefen nur sehr viele mit Gesichtsmaske rum, die aber häufig zum Essen und Sprechen unterm Kinn hing. Einige Asiaten hatten dazu noch Maler-Overalls oder Regenmäntel an. Aber die eigentliche Überraschung kam in Frankfurt: Ziemlich leerer Flughafen und sonst nichts. Keine Desinfektion, keine Fieberkontrolle, keine Information über Quarantäne, allein der Hinweis, Abstand zu halten. Das kann Sambia besser. Dann die Deutsche Bahn: viele Züge fahren nicht, Bahnen und Bahnhöfe sind fast menschenleer, die geplante Verbindung gibt’s so nicht, die ausgedruckte aktuelle Verbindung fällt unterwegs flach wegen technischen Mangels... aber wir kommen nach Münster und sind doch recht froh, wieder hier zu sein.

Abschied von Sambia


Mittwoch, 25. März 2020

Mittwoch, 25.3.
Noch sieht's so aus, als ob wir morgen zurückfliegen – Zeit für einen Rückblick auf Sambia: Sambia kommt dabei eindeutig zu kurz, da sich Corona so massiv in den Vordergrund drängte. Geplant waren etwa 1200 km, also gut zwei Wochen Sambia mit den Victoriafällen als Highlight. Und das ist daraus geworden:
  • nur 4 Radtage mit 410 km, dazu 230 km Busfahrt
  • dann eine Woche Lusaka, 160 km, im sehr schönen Hostel, aber fast ausschließlich vom Rückflug-Organisieren, Warten und Hoffen geprägt
  • ein schönes, grünes fruchtbares Land mit freundlichen Menschen – bis Angst und Ärger das Verhältnis zu Europäern überschatteten
Und die gesamte Tour: nach 3500 km sind wir ziemlich genau in der Mitte der geplanten Tour hängengeblieben. Das bedeutet, dass wir in Kenia, Tansania, Malawi und Sambia sehr viel Afrika erleben konnten. Und wir sind sehr froh, dass der Besuch in Njombe möglich war. Das bedeutet aber auch, dass wir uns vorstellen können, irgendwann auch noch Botswana, Namibia und Südafrika zu besuchen – aber es ist gerade nicht die Zeit für Zukunftspläne. 
das war der grobe Plan
und das ist daraus geworden
Heute haben wir noch einen schönen „Ausflug“ gemacht: etwa 200 m vom Hostel ist ein sehr beeindruckender Hindutempel, und man hat uns tatsächlich hineingelassen. Und trotz vier Verbotsschildern hat uns der „Hindu-Chef“ Fotografieren erlaubt.







Dienstag, 24. März 2020

Dienstag, 24.3.
Schrecksekunden – nein, nicht wegen des Rückflugs, Ethiopian fliegt noch. Aber wir waren auf einem Afrikanischen Markt, super Gedränge, enge Wege, viele Leute, dazwischen riesenlange Schubkarren, wo der Weg etwas breiter ist, sofort totale Verstopfung mit Kleinbussen... und dazwischen zwei Deutsche, die Fahrräder schieben. Plötzlich habe ich irgendwas an meinem Rücken gespürt. Dort war die Reißverschlusstasche geöffnet und leer. Da ist immer mein Smartphone drin, da ich das in der Stadt dauernd brauche als Stadtplan. Hinter mir stand Helmut mit seinem Rad, halb hinter, halb neben mir ein junger Mann, der nicht an meinem Rad, das irgendwie an den Verkaufsstand stieß, vorbeikam. Dem hab ich dann blitzschnell und mit unfreundlichem „Hei, was soll das?“ mein in seinen Händen verstecktes Smartphone weggerissen. Helmut hat versucht, ihn festzuhalten und ist dabei auf seinen Schuh getreten, und der junge Mann ist mit einem Schuh abgehauen, zum Glück ohne mein Smartphone!!
Da außerdem die Corona-Rufe deutlich aggressiver werden, geht die Freude an der Stadt gegen Null. Wie gut, dass wir in einem so schönen Hostel sind.




Unser 8er- Schlafraum, meist sind wir zu zweit
mit den besten Moskitonetzen von ganz Afrika



Montag, 23. März 2020

Montag, 23.3.
Wartezeit – Das Hostel ist so gut wie leer, noch 6 Deutsche, eine Dänin, ein Inder, ein Australier, Ende. Wir haben den 8er-Schlafraum zu zweit, der kleine Pool ist nie überfüllt, alles ist sehr ruhig. Hoffentlich wird’s nicht geschlossen. Aber es sind ja nur noch drei Tage, und noch fliegt Ethiopian. Und falls Lusaka den Flughafen dicht macht, dann ist die Botschaft dran und das Auswärtige Amt.
Heute Vormittag haben wir Radkartons gebastelt - 158 cm sind erlaubt – und als sie endlich fertig geschnitten und gefaltet waren, haben wir sie wieder flach zusammengelegt, damit sie auf dem Gepäckträger den Weg zum Flughafen machen können. Ansonsten lesen und essen wir im Wechsel. Alles in allem geht’s uns also gut.
erst mal große Kartons basteln
und dann wieder klein machen

Sonntag, 22.3.
Es wird ungemütlich: Jetzt bekommen wir Corona deutlich zu spüren. Heute wollten wir ein Elefanten-Waisenhaus besuchen, 15 km außerhalb der City. Das war leider wegen Corona geschlossen – schade. Jetzt sind wir seit 7 Wochen in Afrika und haben keinen Elefanten gesehen. Man bot uns an, uns die Elefanten „für etwas mehr Geld“ im Busch zu zeigen. Die Aufzuchtstation kostet 50 Kwacha, also knapp 3 €, aber etwas mehr sollte 100 US$ sein. Solcher Umgang mit Touristen liegt uns nicht, also keine Elefanten. Von dort sind wir zur Kathedrale, die am Sonntag auch offen und belebt war. Dort hat man aber keine Weißen mehr reingelassen. In Kenia wollten Reisende eine Deutsche nicht in den Bus lassen, in Tansania ist aus dem freundlichen „How are you“ „Corona, corona“ geworden. Schade – jetzt erleben wir ein wenig, wie sich Apartheit anfühlt.

haben wir halt "Elefanten-Ameisen" angesehen
die Japaner, die auch von Kenia nach Kapstadt radeln wollten, haben nur kleine Kartons gefunden...
...mussten also lange arbeiten und dann per Taxi zum Flughafen.


Freitag, 20. März 2020

Freitag, 20.3.
Fahrradbox-Suche: Wir sind schon öfter nach Touren zurückgeflogen. Man geht zum Fahrradshop, fragt nach zwei Kartons, Helmut packt sie gefaltet auf seinen Gepäckträger, fährt doppelt vorsichtig und fertig. So in Faro, Reykjavik, Istanbul, Santos. Schwieriger war's in Panama, weil dort nur kleine Räder ohne Schutzbleche fahren, also die Kartons zu klein waren. Aber Afrika ist anders. Ein Karton ist wertvoll, wird nach Gebrauch sofort von jemandem gesammelt und in die Straße der Kartonhändler verkauft. Das heißt, dass Fahrradgeschäfte keine Boxes haben, die Kartons der Händler alle zu klein sind, außer einem zu großen von einem Motorrad, der auch recht teuer war. Also sind wir zum Baumarkt – nichts zu haben – zum Verpackungsspezialisten – leider nur Container – von dort geschickt zum Logistikunternehmen – die wollten unsere Räder zerlegen, verpacken und verschicken – und dann zum nächsten Logistiker. Und schon hatten wir 3 neue, teure Kartons, einen original für ein Rad, und zwei, aus denen man einen machen kann. Lusaka ist voller Autos, daher wurde auf der Rückfahrt mit gefalteten Kartons auf dem Gepäckträger noch ein wenig mehr gehupt, aber jetzt liegen die Kartons heil und gefaltet unterm Bett. Alles gut.
Wir wurden so oft gefragt, ob es nicht sehr problematisch ist, mit Rädern durch so fremde Länder im Nirgendwo zu fahren. Nein, ist es nicht. Wir hatten eigentlich gar keine Probleme, erst seit gestern, seit wir wieder anderes brauchen als das Lebensnotwendige, seit wir in der Hauptstadt sind, in der es sicher alles gibt, ist alles etwas schwieriger.

Donnerstag, 19. März 2020

Donnerstag, 19.3.
Ziemlich schwierig – Recht optimistisch waren wir am Morgen bei der Botschaft. Sie gleicht dem Hochsicherheitstrakt im Gefängnis: Mauern, Stacheldraht, Türschleusen, Gepäck-, Pass- und Personenkontrolle, elektronische Geräte abgeben, dazu Hände und Stifte desinfizieren und Temperatur messen per Stirn-Scanner. Danach war's enttäuschend: wir bekamen nur die Auskunft, dass die Botschaft ausschließlich weiß, was im Internet steht und dass das morgen schon alles anders sein kann und dass wir uns halt einen Flug suchen sollen. Na dann, vielen Dank!
Nächste Station: Lusaka International Airport, liegt 23 km draußen, also per Rad gut erreichbar. Dort gab's Büros von Ethiopian und Kenyan Airlines, die beide noch Flüge nach Deutschland anbieten. Leider kann man sie dort nicht buchen und Auskunft über Räder... geben sie auch nicht.
Nächste Station: Ethiopian Airlines, wieder in der City. Sehr freundlich und hilfsbereit, aber auch sehr problematisch. Sie fliegen „garantiert“, aber die nächsten freien Plätze gibt’s in einer Woche – es sei denn, es kommt nicht auf 4000 US$ an, dann gibt’s in der halben Zeit noch Business-Plätze. Danke! Wir entscheiden uns für die Wartezeit, die Tickets werden erstellt, am Ende stellt sich heraus, dass Sie nur Bargeld nehmen, US$ oder Kwacha. Haben wir nicht und bekommen wir nicht, da wir per Karte immer nur 500 Kwacha, etwa 28 € bekommen. Also: selber auf deren homepage buchen. Dauert ne Weile, am Schluss bezahlen per Kreditkarte, dann die Info, dass die eTan per SMS gesendet wurde. Leider funktioniert aber das handy hier nicht, also keine eTan, schon wieder kein Bezahlen. Sehr ratlos finden wir dann endlich noch die Möglichkeit, per paypal zu bezahlen – und schon ist der Flug gebucht. Gerade rechtzeitig, bevor unser Laptop wegen Energiemangel aufgibt, doch leider mit nur einem Gepäckstück, also ohne Räder. Aber dieses Problem lässt sich vor Ort lösen: der freundliche Mann druckt uns die Bestätigung mit 2 Gepäckstücken aus. Und da wir nur in Addis Abbeba halten und mit Ethiopian weiterfliegen, sollte das langen. Sehr erschöpft und hungrig radeln wir zurück. Eine Woche Warten voller Ungewisssheit liegt vor uns.
Den Tag können wir nicht mal mit Fotos verschönern.